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Chronoi – Die Diversifikation der Zeit

Dem Begriff der Zeit als grammatikalisches singulare tantum steht sein Plural „Zeiten“ gegenüber. Während die „Zeit“ als eine abstrakte, homogene kosmische Dimension beschrieben wird, die wir zwar messen, aber nicht erleben können, spiegeln die „Zeiten“ eine Verbindung von Zeit und Mensch wider.
Die Diversifikation der Zeit widmet sich der Pluralität von Zeitwahrnehmung, Zeitkonzepten und Zeitmessungen in der Antike. Im Mittelpunkt stehen Zeit und Zeitbewusstsein der verschiedenen Kulturen. Die heutige, durch das christliche Kalenderjahr geprägte Zeitrechnung wird vor allem durch kirchliche Feiertage geprägt. Diese erfüllen dabei eine Doppelfunktion: Zum einen geben die zyklisch wiederkehrenden Riten der Zeit eine Struktur und den Menschen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Zum anderen bilden aber insbesondere die Sonntage, die ursprünglich dem Gedenken an das Leben Jesu Christi gewidmet waren, eine Konstante.
Die Gesellschaft des antiken Ägypten hatte ihre eigene Vorstellung von der Zeit, in der zwischen der vergehenden Zeit Neheh und der dauerhaften Zeit Djet unterschieden wurde. Die Zeitform Djet war dabei durch eine Moralisierung geprägt, die bedeutete, dass nur moralisch vollkommenes Handeln unvergänglich sei. Um diese Lehre durfte jedoch auch gestritten werden. Ptahhotep war beispielsweise der Ansicht, dass der Mensch im Leben auf sein Herz hören, sich Muße gönnen und nicht zuviel arbeiten solle. Im altägyptischen Epos Gilgamesh heißt es dazu: „Mache jeden Tag zum Fest! Tanze und spiele bei Tag und bei Nacht!“

 

The concept of time as a grammatical singulare tantum is contrasted with its plural “times”. While “time” delineates an abstract, homogeneous cosmic dimension that can be measured but not experienced, the plural “times” reflects a connection between time and human beings.
Diversifikation der Zeit [Diversification of Time] is devoted to the plurality of the perception of time, concepts of time, and measurements of time in antiquity. The focus is on time and different cultures’ awareness of time. Today’s calendar, which is shaped by the liturgical year, is primarily marked by church holidays. These fulfill a dual function: on the one hand, the cyclically recurring rites give time a structure and people a sense of togetherness. On the other hand, however, Sundays in particular, which were originally dedicated to commemorating the life of Jesus Christ, form a constant.
The society of ancient Egypt had its own concept of time in which a distinction was made between passing time Neheh and permanent time Djet. The Djet tense was characterized by a moralization, which meant that only morally perfect actions were everlasting. However, this doctrine was also subject to dispute. Ptahhotep, for example, believed that one should listen to one’s heart, indulge in leisure and not work too much. In the ancient Egyptian Epic
of Gilgamesh it says: “Make every day a feast! Dance and play by day and by night!”

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